Mir ist beim ESC dieses Jahr aufgefallen, dass die Jury-Punkte zumindest bei den TOP-Vergaben sehr stark differenziert waren - das habe ich sonst nicht so wahrgenommen. Natürlich gab es auch Verschiebungen unter den Nachbarn (Zypern, Griechenland), aber es waren auch viele weit gestreute Bewertungen dabei.
Für Großbritannien, Österreich und Deutschland tat es mir leid. Die Briten sind seit Jahren in ähnlichen Positionen wie die deutschen Beiträge, vielleicht ist es hier auch mehr Fluch als Segen, dass sie die Vorauswahlen nicht überstehen müssen und für das Finale gesetzt sind. Der deutsche Titel war schon mainstream-tauglich und ich glaube, bei einem anderen Land hätte es mehr Punkte gegeben, wenn ich im Vergleich zum Beispiel den Beitrag aus Zypern nehme. Dafür war ich überrascht, wie schlecht Schweden in diesem Jahr abgeschnitten hat - und die hatten bei den Vorausscheidungen noch diverse gute Stücke zur Auswahl.
Österreich hatte einen guten Titel mit einer inhaltlich sehr wichtigen Nachricht, die aber wohl am Ende leider untergegangen ist. Ich habe das Lied heute schon 2-3 mal gehört und fand es sehr eingänglich.
Melodisch waren nur wenige (Teil-) Stücke über den gesamten Wettbewerb hinweg und wie hier schon geschrieben wurde, sind die Licht-Tanz- und sonstigen visuellen Effekte inzwischen deutlich größer geworden als der Beitrag selbst.
Für Bulgarien habe ich mich sehr gefreut, weil es nun deren 1. Sieg ist und sie im nächsten Jahr diesen Wettbewerb erstmals ausrichten dürfen - das werden viele Bulgaren sicher feiern und sind sehr stolz auf ihre Künstlerin. Dass die Buchmacher dieses mal daneben lagen, hat mich auch gefreut. Die Sängerin hat bei mir an dem Abend mehrfach große Sympathien gesammelt - zum Einen wurde sie ja bei den Zwischenbewertungen schon nach ihrer Meinung gefragt und da hat sie sehr diplomatisch auf alle Künstlerinnen und Künstler im Raum verwiesen und gesagt, dass das das Ergebnis einer gemeinsamen Leistung sei und alle sehr stolz sein könnten - sie wollte damit auch eine Nachricht an die Zuschauer weitergeben und hat damit nach meinem Empfinden auch die Moderatorin etwas aus dem Konzept gebracht, weil sie ihre Botschaft weitergeben wollte. Zum Anderen ist mir sehr stark aufgefallen, dass sie die 2. Vorstellung des Siegerliedes aus dem Bereich mit allen Künstlerinnen und Künstlern gemacht hat - als wollte sie diese auch alle einbinden und nicht einfach nur auf die große Bühne zurück vor die Kameras. Vielleicht überinterpretiere ich das auch, aber auf mich haben diese beiden Dinge sehr sympathisch und bodenständig gewirkt - und das hat sie umso mehr zu einer Siegerin an dem Abend gemacht.