Beiträge von Heiner

    Ich glaube, wir (alten) verkennen oft, welchen Liebhaber-Vorsprung die alten Titel haben. Schließlich hatten die alten Titel 40 und mehr Jahre Zeit, sich in unser Gehirn einzugraben, in unserem Leben fest zu verankern. Schließlich kennt man all die Klassiker in allen Details in- und auswendig.


    Und wie hoch die Erwartungen an ABBA nach 40 Jahren sind kann ja schließlich auch keiner genau definieren. Was genau wäre denn eine musikalische Weiterentwicklung gewesen? benjamin spricht Kristina an, gleichzeitig finden aber viele ISHFIY bereits schon zu musicalhaft.


    Ich glaube, ich hatte schon mal irgendwann hier das "The Visitors" Phänomen beschrieben. Damals beim Erscheinen des Albums konnten viele zunächst nichts rechtes damit anfangen. Heute, nach langer Einwirkzeit, wird es oft als das vielleicht reifeste ABBA-Album beschrieben. TDBYC war danach dann schließlich auch kein Radiochart-Stürmer.


    Wie georg99 schreibt, das nun veröffentlichte JAN ist sicher kein Meilenstein der Popmusik. Allerdings wird auch dieses kleine Liedchen seinen Weg in die Gehirne graben. Mit leichtem Vorsprung, schließlich gab es ja bereits seit 1994 diesen Deleted-Schnipsel. Ich denke, es ist nicht primäres Ziel von ABBA heute noch mit den Charthits der Gegenwart mithalten zu wollen. Somit sollte es auch nicht unsere Messlatte sein, sondern das, was es auch für die meisten hier ist, ein kleiner angenehmer Teil und damit eine Bereicherung unserer Leben.

    Und wer das nicht so empfindet, bereichert sich eben mit Adele, Coldplay, BTS, Beethoven, Mozart, Ramstein, den Ärzten oder anderer Musik.

    Bis vor kurzem hatte ich mich hier in diesem Forum wieder richtig wohl gefühlt. Irgendwie war der alte Geist und unser aller liebenswert naive Vorfreude und Emotionalität beim Thema "ABBA" wieder da. Ein Gefühl, dass hier alle scheinbar in den virtuellen Armen liegen ließ.


    Irgendwie wird das Forum nun wieder mit sehr langen und oftmals recht autoritären Statements gefüllt, dazu kommen viele andere Nebenthemen zu gänzlich anderen Musikgruppen und Interpreten, welche mich persönlich in dieser Massivität nun wirklich überhaupt nicht interessieren, wenn ich mich in einem ABBA-Forum anmelde.


    Natürlich akzeptiere ich das, und ich muss ja wirklich auch nicht lesen, was mich nicht interessiert.


    Leider leidet auch das Wohlfühlklima hier im ABBA-Fan-Forum wieder. Ich persönlich finde das schade und es bewegt mich, trotz all der tollen und unbeschreiblich emotionalen Ereignisse der Gegenwart, langsam wieder den Rückzug aus dem Forum anzutreten. Es strengt mich einfach nur unnötig an, da sich viele Diskussionen nun auch wieder im immerwährenden Kreis zu drehen scheinen.


    Hatte ich eben noch wieder angefangen, meine eigenen Gedanken, Empfindungen und Eindrücke hier zu teilen, so wie auch mir mein alterndes, aber durchaus fittes Herz aufging.

    Ich habe nun wieder einmal aufs Neue in diesem Forum einfach keine Lust mehr darauf, schließlich ist es auch Lebenszeit, Gedanken halbwegs nachvollziehbar in Textform für ein Forum zu formulieren und hier hinein zu tippen.


    Wohlgemerkt, es sind meine Eindrücke, es ist meine Entscheidung. Alles Gute euch allen weiterhin, bleibt gesund und habt Spaß an der Musik und am Leben.

    Bei Thema Credits versuche gerade mal, die Timeline gedanklich auf die Reihe zu bekommen.


    Im September 2017 veröffentlicht Benny sein "Piano" Album, mit dem entsprechenden Medienaufwand, Reisen, Promo usw.

    Am 27. April 2018 dann ein Statement von ABBA auf allen Kanälen: "Wir haben zwei neue Songs aufgenommen ...".

    2019 veröffentlicht Benny mit BAO das Album "Bästa låtarna", dazu die recht umfangreiche und erfolgreiche Tour durch Schweden.

    2020 war es relativ ruhig, natürlich auch pandemiebedingt.


    In der Credits der Single "Don't Shut Me Down" steht nun "Recorded, 2017", bei der ISHFIY Single fehlt eine Jahreszahl der Aufnahme. Das muss allen Beteiligten schon eine unglaubliche Disziplin abverlangt haben. Und letztlich waren wirklich bis zu einem Leak einen Tag vorher bis zum 2.9. wirklich keine Details an die Öffentlichkeit gelangt. Benny sagt im Interview, das "Voyage" Album sei erst am 27.8., also wenige Tage vor der Präsentation fertig geworden. Also hat man wohl in den vergangenen Monaten intensiv daran gearbeitet, ein komplettes Album fertig zu bekommen.

    Dennoch, ein Schelm, so wie er noch 2019 auf der BAO-Bühne abgerockt hat und zumindest die Öffentlichkeit genarrt hat.

    Vermutlich ist die Entscheidung für ein komplettes Album wirklich ein "Geschenk" der Pandemie und war so auch als Teil der Avatar-Show nie geplant.

    Etwas erstaunt bin ich, dass auf icethesite, unter ABBA News bisher rein gar nichts über "Voyage" berichtet wird.

    Ich glaube tatsächlich, dass Webseiten in ihrer Isoliertheit heute gegenüber den sozialen Netzwerken ins Hintertreffen geraten. Die News auf der Webseite sind dann letztlich generiert durch das Twitter-Plugin.

    Man muss solche Webseiten schließlich gezielt aufsuchen, so wie man eben eine Zeitschrift in die Hand nehmen muss. Die Kanäle auf Instagram/Twitter/TikTok... werden auch durch Icethesite bespielt und erreichen quasi in Echtzeit in den Netzwerken wesentlich mehr Zuschauer und generieren Feedbacks. Das Web2.0, also das "Mitmach-Internet" hat das Nachschlage-Internet 1.0 da wohl überholt. Das kann man mögen oder nicht, offensichtlich war diese Schritt zwangsläufig.

    Das ging mir gleich - I still have.. ging mir per sofort rein, noch am selben Abend, 1x hören gengte. DSMD brauchte ich mehrere Anläufe, bis ich es intus hatte. Bin offensichtlich anders gestrickt als die Mehrheit - ich finde DSMD gar nicht so eingängig

    Offensichtlich bin ich auch einer, bei dem Titel nicht sofort explodieren. In der Erinnerung verblasste das offensichtlich. Aber gerade vom "The Visitors" Album war ich beim ersten Hören damals ..., nun ja, überrascht. Das Gefallen daran wuchs auch erst allmählich und hat es in den Jahren immer weiter nach vorn gepusht.

    Und insbesondere je tiefer ich beim Hören in den Text eindringe, umso mehr wirken die beiden neuen bei mir auch mit ihrer Melodie und dem Arrangement. Beide gefallen mir auf ihre jeweils sehr eigene Art immer besser. Einige Ecken und Kanten, an welchen ich mich anfangs vielleicht gestört habe, schleifen sich nach und nach ab.

    Bei ISHFIY waren mir beispielsweise die beiden Stimmen zu nah beieinander, wodurch nicht ganz die Fülle entstand. Auch war mir die absteigende Melodie bei "I believe it is in there" selbst für Frida schon fast zu tief. Agnetha mag ich in diesen diesen tiefen Tönen auch weniger.

    Aber das ist alles Mikro-Nörgelei. Nein, ich liebe sie und werde sie ein Leben lang lieben. ;)

    ABBA announce new album Voyage and spectacular new live show


    Dass "I Still Have Faith In You" eine großartige Komposition ist, zeigt sich bestens bei den hier ab ca. 0:30 präsentierten Pianoklängen zu dem Song.


    Ein absolut geeigneter Song für ein evtl. Piano Album II.

    Markus, falls du mal in den TikTok-Kanal von ABBA schaust, dort gibt's dieses kurze Piano-Thema nochmal direkt. Das sollte auch ohne irgendeine Anmeldung zu sehen sein:

    https://www.tiktok.com/@abba/video/7003609664294358277


    Der Rest auf dem Kanal ist übrigens auch oft recht putzig (https://www.tiktok.com/@abba). Heute hatte Benny Spaß daran, mal ein paar ABBA-Internet-Coverversionen auf dem Piano zu begleiten. Ich schmelze ja bei seiner spontanen Piano-Version von 'Our Last Summer'. Wenn das aktuell ist, so wäre der Meister aktuell ja sehr entspannt drauf. ;-)

    Ja, Achterbahnfahrt der Gefühle. Mir gefallen beide Titel, auch wenn sich tatsächlich beim Hören so etwas wie Altersmelancholie einstellt. Es klingt modern produziert, vielleicht etwas zu bombastisch teilweise. Die Anzahl digitaler Spuren ist im Vergleich zu früher nun fast grenzenlos. Da muss man aufpassen, dass man sich in der digitalen Grenzenlosigkeit heute nicht verliert. Beide Stimmen klingen für mich altersentsprechend sehr gut, nur durch sie entsteht allerdings auch der ABBA-Wiedererkennungsfaktor. Aber das überrascht nicht wirklich. Auch wenn der ABBA-Sound damals vielleicht durch den megagroßen Aufnahmeaufwand nahezu einmalig war, heute bekommt ja fast jeder in seinem Studio eine beliebige Soundfülle hin.


    Für mich ist es übrigens kein Problem, dass Agnetha und Frida gestern nicht live auftraten. Ich finde sehr bemerkenswert, was hier gerade von den Vieren abgeliefert wurde. Wir alle hätten das zwar zu träumen gewagt, aber nie wirklich realistisch ins Ermessen gezogen.


    Die kurzen Einblicke in die Studioaufnahmen fand ich entsprechend sehr berührend. Den Frieden, den alle mit sich gegenseitig geschlossen zu haben scheinen, der Spaß und die Gelassenheit scheinen einfach magisch zu sein.

    Die Aufnahmen aus dem Studio sind nun ja auch schon einige Zeit alt, vermutlich von 2018. Zu jener Zeit hatte ja gerade Frida ihre Hüft(?)-OP, war eben mit dem Gehstock unterwegs. Mir bricht es fast das Herz, wir schwer ihr das Gehen am Ende dieser kurzen Studioaufnahmen zu fallen scheint.


    Nochmal, vollsten Respekt an alle Vier! Völlig egal, wem oder wo ihr euch aktuell zeigen möchtet! Danke für die Musik!


    Hier nochmal der direkte Klick zu den kurzen Studioeinblicken beim Live-Event gestern.


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    Ich finde auch, diese Doku ist um Längen besser als das, was irgendwelche Fernsehsender immer aus den Archiven zusammenschneiden. Ich stimme chabba voll zu, das Beste, von Herzen und mit viel Liebe produzierte, was ich vielleicht zur ABBA Geschichte je gesehen habe. Und ich wage zu behaupten, auch die Vier von ABBA selbst hätten (oder haben vielleicht sogar) viel Freude an den zusammengetragenen Erinnerungen.

    Ich gebe mal ein kurzes Lebenszeichen von mir hier im Forum. Noch gibt es ja bezüglich neuer Dinge nichts wirklich zu diskutieren.


    Aber ich möchte allen ABBA-Fans, die noch nichts von der NPO-Doku-Reihe mit den drei niederländischen Musikern und Entertainern Nick, Simon & Kees diese Reihe dringend empfehlen. Sie begeben sich in Schweden auf eine Zeitreise, treffen zahlreiche alte ABBA-Freunde und Musiker und improvisieren auch hier und da mal einen ABBA-Titel.

    Das ganze ist alles andere als Klamauk, sondern oftmals sehr emotional und anrührend. Meiner Meinung nach eine der besten Dokumentationen über die Bandgeschichte.


    Kleiner Nachteil: Es ist eben eine holländische Produktion und zumindest ich verstehe diese Sprache leider kaum bzw. nur in Ansätzen. Das ist aber halb so schlimm, da die Gespräche in Schweden nahezu alle auf englisch geführt werden. Nach einigen Minuten hatte ich mich recht gut eingehört und war einfach nur begeistert.


    Schaut die Folgen in der Reihenfolge von 1 bis 6 (Afl.), also von unten nach oben. Folge 7 ist etwas länger, eine Zusammenfassung der anderen Folgen mit einigen zusätzlichen Szenen. Ab und an sind die Zugriffe derzeit abends wohl recht hoch, damit kommt der Stream ins Stocken. Die Werbung manchmal zum Beginn ist erträglich kurz.


    Mich würde jedenfalls eure Meinung zu der Doku interessieren.


    https://www.npostart.nl/nick-simon-kees/AT_2033706


    (keine Ahnung, wie lange die Folgen dort verfügbar sind.)


    Großartig und wichtig!


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    Ich meine, gerade jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, zumindest eines der Lieder zu veröffentlichen. Dabei gehe ich voll und ganz mit den Gedanken von Daniel mit. Musik findet heute weitestgehend online statt. Also einen Marketing-Flop, weil keiner rausgehen würde, um sich die Platte zu kaufen, befürchte ich ganz und gar nicht. Hier geht es ja nicht um einen Kinofilm und leere Kinokassen. Würde man in diesem Sinne an der Avatar-Show kleben, wäre das natürlich wirklich ein Flop. Hier geht es um die Veröffentlichung von Musik.


    Gerade jetzt haben die Menschen die Zeit, Nachrichten zu verfolgen. Man sieht das doch an den Einschaltquoten der täglichen Nachrichtensendungen.
    Gerade jetzt suchen die Menschen nach allem, was ihnen irgendwie Hoffnung macht.
    Gerade jetzt werden endlich wieder Solidarität, Miteinander und gegenseitige Unterstützung wichtig.


    Und wenn es wirklich nur ums Geld gehen sollte (Marketing = vermarktungswirksam = Kohle scheffeln), dann würden meiner Meinung nach all diese Punkte gegenwärtig wirklich Kohle bringen, die man dann vernünftiger Weise so verwenden kann, wie Daniel es bereits beschrieben hat. Sollten ABBA es weiterhin allein aus marketingstrategischer Sicht zurückhalten (so wie der neue Bond), dann steigert das sicher nicht ihre Glaubwürdigkeit. Ich hoffe allerdings immer noch, dass da "etwas", unabhängig von dieser Avatar-Show noch nicht ganz fertig ist, woran gerade jetzt vielleicht doch mit mehr Hochdruck gearbeitet wird.

    Mein Gedanke, in Bezug dieser Krise und ABBA ... es wäre doch ein toller Beitrag vielleicht ein paar mutmachenden, persönliche Worte der Vier


    ... und wann bitte könnten solche Zeilen wie "I Still Have Faith In You" und "Don't Shut Me Down" mehr bewirken, als jetzt!
    8)


    Gesundheit und Gelassenheit auch von meiner Seite Euch allen!

    Daniel, interessante Frage, welche mich erst darauf gebracht hat, mir die Half Speed Mastered der Original-Alben mal im Netz anzusehen. Ich gebe zu, da ich die alten Originalvinyls besitze, waren die neuen Pressungen für mich bislang wenig interessant.
    Diese sind tatsächlich nicht nur in halber Geschwindigkeit geschnitten worden, sondern laufen noch dazu mit 45 rpm (Umdrehungen/min.), also in klassischer Single-Geschwindigkeit. Deshalb also 2 große Scheiben, um alle Albentracks unterzubringen. (heißt also: "half-speed mastered 45RPM 2LP")


    Ich vermute allerdings, dass beim Wembley-Konzert zwar in halber Geschwindigkeit, also sehr sorgfältig in die Mastermatrize geschnitten, allerdings die Abspielumdrehungen mit den klassischen 33 rpm beibehalten wurde. Damit erhöht sich dennoch die Aufnahmequalität, beispielsweise bei den hohen Frequenzen, wie den viel kritisierten zischenden High hats des Live-Mitschnitts auf Vinyl. So ganz der Frequenzgang wie bei 45 rpm kann nicht erreicht werden, spielt aber m.E. bei einem Live-Mitschnitt in bekannter streitbarer Qualität weniger eine Rolle. Auch wenn die Aufnahme in den Abbey Road Studios nochmal neu abgehört wurde und vielleicht nun etwas Endkunden-freundlicher abgemischt wurde.

    Habe ich hier etwas überlesen oder woher stammt denn die Quelle, dass Frida sich derzeit in Stockholm aufhält und es sich um ein aktuelles Foto handelt?


    Die Quellen sind die offiziellen Accounts vom ABBA Museum und von ABBA bei Facebook oder Instagram. Geteilt wurde es in der ABBAtalk Fangruppe auf Facebook.

    Ergänzung. Passt zwar auch nicht ganz zum Thema, aber untermauert meinen obigen Text.


    Wenn man im Jahr 2020 abends im Auto unterwegs ist und im Autoradio bei einem großen norddeutschen Sender ABBA "One of Us" hört, ist das schon etwas ganz besonderes. Noch dazu im Fahrzeug einer Schwedenmarke. Hier fuhr gerade meine Frau (man sieht's vielleicht an der Einstellung der Sitzheizung), so dass ich diesen ergreifenden Moment am 06. Januar 2020 doch mit einem Foto festhalten konnte.
    :D


    NDR2_060120.jpg

    Es ist einmal mehr spannend, darüber nachzudenken. Danke für diesen Thread.
    Und, Danke für die Musik.


    Es ist Samstag, mieses Wetter draußen, und ich habe Zeit. Sollte ich also abschweifen, entschuldigt bitte.


    Ich glaube, Musik muss die Seele berühren. Das schafft bei mir neben klassischer Musik vorrangig die Popmusik der 70er und 80er.


    Geprägt als "Hello, hello. Turn your radio on!"-Jugendlicher war durch das Radio unsere Zeit die Zeit der Hitparaden. Dann gab es noch kurz die Phase, als das Video den Radiostar 'killte'. Inzwischen ist Musik ein recht einfach zu produzierendes und ohne Platte, Kassette oder CD schnell digital zu verbreitendes Massenprodukt. Selbst die Mehrzahl der Radiosender generieren nur noch Playlists aufgrund irgendwelcher Algorithmen, welche in Echtzeit durch den Einfluss von Musikvermarkterfirmen generiert werden und nur noch in Nischensendungen durch gute Musikredakteure oder Hörerwunschprogramme gestaltet werden. Sicher gab es den Einfluss der Plattenfirmen damals auch auf das, was im Radio einmal mehr gespielt werden sollte. Entscheidend waren aber immer die verkauften Tonträger. Heute bestimmen schnell geklickte Likes im Vorbeigehen (kurz Reinhören), was zum Trend wird. So schnell wie diese Likes geklickt werden, sind sie aber auch wieder vergessen.


    Das, was meine Seele berührte, hielt ich für gute Unterhaltung. Das waren natürlich ABBA und vieles von dem, was eben in den Hitparaden lief. Einfache britische Gitarrenriffs im Foxtrott-Tempo à la


    "I don't know why she's leaving, or where she's gonna go
    I guess she's got her reasons but I just don't want to know
    'Cause for twenty four years I've been living next door to Alice"


    Oder eben auch gute Studioproduktionen im gleichen Tempo, z.B. "Rivers of Babylon". Ich war das, was man heute Binge-Listener nennt. Kaum zuhause in meinem Zimmer lief eben Musik. Ich hatte meine eigene riesige UKW-Antenne, um möglichst rauschfrei Stereo mit einem Hifi-Tuner empfangen zu können. Ich hatte natürlich meinen eigenen Plattenspieler. Und ich war Lötkolben-Technikspieler mit Spulentonbandgerät (Vier Spuren, umgebaut, um gleichzeitig wiederzugeben, aufzunehmen und damit hin- und her immer mehr Stimmen hinzuzufügen), unzähligen mittelmäßigen Selbstbauboxen und analogen Mischgeräten. Aus der "Neverending Story" von Limahl hatte ich mal eine fast 30-minütige Fassung aus unzähligen Schnipseln zusammengebastelt, oder auch aus "We belong" von Pat Benatar. Ich mochte Franky goes to Hollywood von "Relax" bis "Welcome to the pleasuredome", Falco "Jeanny", aber auch das komplette Album von Pink Floyd "The Wall" (am Stück, natürlich!).


    Meine Seele war wohl hitparadenkompatibel. Meine erste, unbewusste ABBA-Begegnung muss wohl, nach aktuellen Recherchen in der Datenbank meiner Großhirnrinde, "Dance - while the music still goes on!" gewesen sein. Das löst jedenfalls auch heute noch irgendein Gefühl aus, als hätte es das in meiner Erinnerung schon vor dem Namen ABBA gegeben.


    Während mein ein Jahr älterer Bruder damals die Beatles hörte und während der Pubertät in den 70ern zunehmend politischer, rebellischer konsumierte (nicht unbedingt selbst politischer wurde), angefangen mit Lennon, später dann Bob Dylan, Neil Young usw., war ich wohl mehr der Softie. Ich spielte Klavier, er spielte Bass. Unsere Eltern ließen uns beide gewähren. Heute, fast 45 Jahre später kann ich sie glücklicherweise noch befragen. Und ich weiß, auch sie hören heute noch das, was damals in unseren Kinderzimmern lief.
    Ob wir das über uns in 45 Jahren sagen können? Ich kenne ja nicht mal wirklich diese Musikschnipsel, wenn unsere Tochter hektisch ihr Smartphone mit dem Autoradio verbindet, um uns irgendwas 'cooles' vorzuspielen und dann doch nur bruchstückhaft durch unsortierte mp3-Ordner zappt.
    Ich verweigere mich nicht der aktuellen Musik. Natürlich gibt es auch heute noch gute Produktionen. Aber neues, was meine Seele berührt, ist seltener geworden.

    "Ratz-Fatz" bedeutet heute in der Erwartungshaltung eigentlich "unmittelbar, direkt, live". "Zeitnah" ist dann noch die vornehme Umschreibung einer Forderung, wenn man es eigentlich auch am liebsten gesten gehabt haben möchte.
    "Abwarten und Aushalten" sind heute schon fast neu zu erfindende Tugenden, welche durch Psychologen einer immer rasanter gewordenen Gesellschaft als schwer zu erlernen bescheinigt werden.
    Braucht man neue Socken, bestellt man sie im Internet, natürlich bitte zum Black-irgendwas-Dumping-Preis und ist schon genervt, wenn die Lieferung länger als einen Tag dauert.
    Ich habe hier schon verschiedentlich beschrieben, dass ich in dieser Konsumhaltung auch ein Problem dessen sehe, warum das Netz so massiv verärgert scheint, nur weil eine alte Popgruppe die Veröffentlichung von nie erwarteten neuen Liedern immer wieder verschiebt.
    Abgesehen davon, dass ich weder in "Musikerkreisen bzw. Fachkreisen" verkehre und auch noch nichts aus diesen Kreisen wirklich gehört und gelesen habe, was einem "Running Gag" gleich käme. Bisher waren alles irgendwelche Veröffentlichungen von "Journalisten- und Fankreisen", die einfach zunächst mal nur von Klicks und Aufmerksamkeit leben.
    Ob da nun ein, zwei oder fünf Titel kommen. Ich denke, irgend jemand in Stockholm oder bei Universal Music macht sich da bereits seit längerem Gedanken, wie das gehen soll. Die Denkweise in LP/CD-Dimensionen ist da auch auch schon fast überholt. Eine meiner aktuellen Newcomer Lieblingsbands hat nun die zweite "EP" herausgebracht, also wieder nur fünf neue Titel. (Giant Rooks, Wild Stare).


    Ich freue mich jedenfalls, wenn irgendwann neue Musik veröffentlicht wird, welche mir dann hoffentlich auch noch gefällt. Das bereichert einfach meinen privaten Lebensraum. Einen Anspruch darauf, dass andere dafür verantwortlich sind, kann ich nicht erheben.
    Im Gegenteil dazu vielleicht im gewissen Maße zu Dingen, die wir als Steuerzahler quasi vorfinanziert haben. Aber auch da hilft nur eine gewisse Gelassenheit. Letztlich werden dann doch irgendwann mal Hochmoselbrücken, Flughäfen, sanierte Autobahnen, reparierte ICE-Gleise, neue Museen, tolle Konzerthäuser, funktionierende Schultoiletten ... fertig. Alles eine Frage der Zeit. (Ich glaube, weiter sollte ich hier auch nicht darauf eingehen.)


    Ich wünsche Euch einen schönen 1. Advent. Geht auf Weihnachtsmärkte. Verzehrt, was ihr an Glühwein oder Lebkuchen eingekauft habt. Hört Musik, oder geht einfach mal raus. Letzteres kostet nichts. :)