Natürlich ist immer alles Geschmackssache, aber einem Album aus den 80ern voruzwerfen, dass es nach typisch 80er Jahre Produktion klingt, ist schon etwas grotesk. Warum sollte es im Jahr 1985 nach 60er, 70er oder gar hellseherisch nach 90er Jahre klingen? Ich finde es schön, wenn ein Album die Zeit widerspiegelt, in der es veröffentlicht wurde. Das macht das Anhören für mich so schön, dass ich damit eine bestimmte Zeit, ein bestimmtes Lebensgefühl verbinde. So geht es mir auch mit Filmen und Serien aus den 80ern, die für mich auch gerade wegen des typischen 80er Jahre Flairs gefallen und Erinnerungen an meine Kindheit hervorrufen.
Mir gefallen alle drei Alben der 80er Jahre sehr sehr gut, aber auch bei mir würde "Eyes of a woman" (allerdings auf sehr hohem Niveau) als letzter Platz abschneiden. Warum ist eigentlich bombastisch in den Augen einiger immer etwas negatives? Es gibt doch auch Bombastpop-/-rock als Musikrichtung, zum Beispiel Meat Loaf, oder die 80er Jahre Alben von Bonnie Tyler, das sind doch alles Andere als simple Produktionen und Massenware, ganz im Gegenteil. Sehr aufwendig orchestriert und produziert sind diese Bombastsachen.
Ich finde es schön, dass die drei Alben von Agnetha alle so verschieden sind. Das bringt eine schöne Abwechslung: WYAAM ist das sehr positive, melodiebetonte Softpopalbum, wo der Sound noch am Ehesten an ABBA erinnert, "Eyes of.." ist das Bombastpopalbum oder Synthesizeralbum und "I stand alone" ist das in sich sehr runde, geradlinige Album mit nordamerikanischen Rockanklängen.
Auf "I stand alone "gefallen mir alle Titel sehr, auf WYAAM und EOAW jeweils einer überhaupt nicht ("Take good care of your children" und "We should be together"). Das hier angesprochene "We move as one" ist mein Lieblingstitel auf dem Album und ich liebe diesen Titel gerade, weil es sich im Liedverlauf immer weiter zur Bombastballade steigert. Wenn ich auf dem Album wirklich einen einfach gestrickten Song ausmachen würde, dann ist es "Just one heart", das für mich immer naiv und zuckersüß gesungen wie ein Kinderlied klingt, das ich aber trotzdem irgendwie mag.
Was den Erfolg angeht, so gilt der größere Erfolg von "I stand alone" gegenüber "Eyes of a woman" freilich nur für Schweden. Europaweit betrachtet ließ der Erfolg genau in chronologischer Albumreihenfolge nach.
Alles in allem finde ich aber, dass sich in punkto Songauswahl und Produktion keines der Agnetha Alben der 80er Jahre hinter den damals angesagten und erfolgreicheren Künstlern / Alben verstecken musste. Für mich ist hier eindeutig das Manko an Promotion und Agnethas gewollte niedrige Dosierung an TV- und Konzertpräsenz für die weltweit niedrigen Verkaufszahlen von "Eyes of a woman" und "I stand alone" (in den wichtigen Märkten Großbritannien und Deutschland auch WYAAM) verantwortlich. Mit jedem Album hat Agnetha damls ihre Promotionaktivitäten weiter reduziert.