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Montag, 15. Juli 2019, 17:09

Das Lied über den weissen Elefanten

Etwas inspiriert von den interessanten Diskussionen über politische Zusammenhänge im Bereich der Musikindustrie im Polina Gagarina-Thread habe ich gerade ein bisschen Lust darauf bekommen, hier mal in einem kleinen Thread paar Zeilen über ein Lied zu schreiben, das inzwischen Legende ist und über einen legendären Künstler, der in einer Zeit und unter Repressalien lebte, die wir uns hier im ABBA-Forum vielleicht nur noch schwerlich vorstellen können.......Das Lied verlinke ich dann hier gesungen in einer neuen Version von einer jungen und sehr spannenden Künstlerin....

Es ist das Lied vom weissen Elefanten......von einem der größten und einflussreichsten Musik-Poeten, die es wohl jemals gab, von VLADIMIR VYSSOTSKIJ..........Er gilt im Osten als der berühmteste Liedermacher des 20. Jahrhunderts und seine Berühmtheit ist auch anderen Teilen dieser Welt nicht verborgen geblieben....

VLADIMIR VYSSOTSKIJ ist nur 42 Jahre alt geworden.....Er starb im Jahre 1980 an Herzversagen......doch noch heute kennt ihn in Russland jedes Kind....

Er war zu seinen Lebzeiten der wohl gefürchteste Regimekritiker der kommunistischen russischen Staatsführung unter Brezhnew.......In seinen Liedern verarbeitete er Themen, die es in der Sowjetunion durch die politische Staatsführung offiziell überhaupt nicht gab und nicht geben durfte wie zum Beispiel Prostitution, Antisemitismus, Homosexualität, Verbrechen, Alkoholmissbrauch......Dies alles in einer sehr poetischen Form.......Der sowjetische politische Machtapparat versuchte immer wieder, ihn mundtot zu machen, ....Seine Lieder wurden offiziell verboten, ...Sie durften von Radiostationen nicht gespielt werden,.... Menschen, die seine Lieder hörten, wurden Repressalien unterworfen.....Man versuchte ihn unter Hausarrest zu stellen......Doch Vladimir Vyssotzkij liess sich niemals brechen.........Zugute kam ihm dabei einmal seine unfassbare Popularität im russischen Volk, die ihn dadurch immer unangeifbarer machte.....und seine Heirat mit der der französischen Künstlerin MARINA VLADY, die er bei einem Auslandsbesuch kennenlernte und 1969 heiratete......

Nachdem seine Lieder verboten wurden, wurden sie durch nicht-offizielle und im Untergrund arbeitende Kanäle veröffentlicht und kursierten millionenfach im Land, was seine Popularität im Volk noch immer weiter erhöhte.............Auich ging Vissotzkij bei einem Teil seiner Lieder über, sie zu verschlüsseln, so dass sie zwar keinen Klartext ergeben, aber dass sie trotzdem jeder im Volk verstand.......Um solch ein Lied handelt es sich auch bei dem LIED ÜBER EINEN WEISSEN ELEFANTEN...........Irgendwann konnte die politische Staatsführung dem Ganzen nicht mehr Herr werden, aber man konnte Vyssotskij auch nicht einfach "verschwinden" lassen, zu groß war dafür seine Popularität........Seine Lieder blieben aber offiziell zu seinen Lebzeiten verboten.....

Ich möchte hier jetzt gar nicht mehr über den dramatischen Lebensweg von WLADIMIR VYSSOTSKIJ schreiben, denn das kann sich jeder im Internet selbst erlesen, sofern man daran Interesse hat........VYSSOTSKIJ war Zeit seines Lebens ein aufrechter Mann, der sich von der übermächtigen Staatsmacht in seinem Lande nie verbiegen liess.......Er hasste dieses politische System, aber er liebte sein Land......Durch seinen immerwährenden Kampf gegen dieses System verfiel er im Laufe der Jahre auch einem gewissen Alkoholproblem und möglicherweise war dies auch die Schuld an seinem frühen Herzversagen schon im Alter von 42 Jahren.......

Bizarr waren dann die Szenen nach seinem Tod..........Da genau zu dieser Zeit in Moskau die olympischen Spiele stattfanden, wollte die sowjetische Regierung unter allen Umständen Demonstrationen und einen Skandal verhindern, weswegen sie seinen Tod öffentlich verschwiegen, er durfte in keiner Zeitung bzw. in keiner Radio- und Fernsehsendunjg erwähnt werden.......Doch sein Tod sprach sich in Russland wie ein Lauffeuer rum und zu seiner Beerdigung kamen Millionen von Menschen, was bis heute als die größte staatlich nicht genehmigte Massendemonstration des Volkes in Russland gilt..........

Nach seinem Tod und dem Sturz des kommunistischen Brezhnew-Systems änderte sich dann in seinem Land alles..........1987 wurde er unter Gorbachov posthum zum "Held der Sowjetunion" ernannt.........und seine Popularität nahm unglaubliche Ausmaße an.......Seine Lieder durften nun wieder offiziell gespielt werden und bis heute gilt er als einer der größten Menschen unserer Zeitepoche........Die Tragik ist nur, dass Vyssotskij den Sturz des kommunistischen Systems, die Perestroika und Glasnost unter Gorbachov und die öffnung hin gegenüber der westlichen Welt nicht mehr erleben konnte.........Es hätte ihm sicherlich unglaublich gefallen

Eines seiner Lieder, dass ich hier einmal als Beispiel verlinken möchte und was auch den Titel dieses Threads trägt, ist das "Lied vom weissen Elefanten".........Sein Text ist vom ersten bis zum letzten Wort verschlüsselt.........Ein weisser Elefant galt damals in der Sowjetunion als ein Mensch, der der Obrigkeit lästig war und den das Regime unter allen Umständen loswerden wollte..........Wer sich diesen Text zu Gemüte führt, wird sicherlich die Verschlüsselung und seine eigentliche Aussage gut erkennen können......

Ich möchte das Lied hier verlinken in einer neueren Version, gesungen von der charmanten OKSANA AKINSHINA.......Oksana Akinshina ist eine russische Schauspielerin, die auch schon in großen internationalen Filmen mitgespielt hat......2011 wurde sie gefeiert für ihre Darstellung in einem Film zum Leben Vyssotkijs........und sie hat dann auch sein berühmtes "Lied vom weissen Elefanten" bezaubernd gesungen....

OKSANA AKINSHINA............Das Lied über den weisen Elefanten.....

https://www.youtube.com/watch?v=-rmWA15UPuk


Und hier noch der übersetzte und so verschlüsselte Text des Liedes über den "Weissen Elefanten".....

Lied über den weißen Elefanten

Es gab einmal in Indien
vor langer, langer Zeit
Wilde, riesige,
graue Elefanten.

Die Elefanten trieben sich im Dschungel ohne Trampelpfade herum.
Einer von ihnen war aus unerfindlichen Gründen weiß.

Gütige Augen, sanftes Benehmen zeichneten ihn aus,
Und er hatte eine vornehme Haarfarbe
Zwischen seinen Brüdern war der weiße Elefant
Natürlich, die weiße Krähe.

Und der Herrscher von Indien,
es gab die Zeiten,
Schenkte mir respektvoll
den Elefanten.

"Wozu mir einen Elefanten?", - Fragte ich den Andersgläubigen,
Und er sagte: "Der Elefant hat ein großes Herz."

Der Elefant machte mir seine Reverenz und ich verbeugte mich vor ihm,
Meine Rede war nicht böse und leise,
Weil dieser jenige weiße Elefant
Eine außerordentliche weiße Elefantin war.

Ich schaute herrlich aus,
als ich auf dem Elefanten saß,
Reiste durch Indien,
einem märchenhaften Land,

Ach, wo wir uns zusammmen nur nicht herumtrieben
Es war eng, aber wir haben uns gut vertragen.

Und es kam vor, daß wir in der Nacht unter irgendeinem Balkon standen,
Und die Damen hüpften nacheinander aus den Schlafzimmern,
Man muß sagen, daß dieser weiße Elefant
Außerordentlich musikalisch war.

Die Weltkarte haben Sie
sicherlich gesehen,
Und Sie wissen, daß es in Indien
auch einen Fluß gibt.

Mein Elefant und ich ernähren uns vom Mangosaft
Und einmal verirrten wir uns im Dickicht des Ganges.

Ich lief beim Fluß herum, vergaß Ruhe und Schlaf,
Für immer habe ich meine Gesundheit verloren-
Und dann wurde mir gesagt: "Dein weißer Elefant
Traf eine Herde weißer Elefanten."

Lange war ich gekränkt
und dann unerwartet,
Hat mir der Herrscher von Indien
aufs Neue einen Elefanten geschenkt.

Er ist wie ein Schmuck auf dem Spazierstock,
Ein weißer Elefant, aber aus Elfenbein.

Man sagt, daß sieben Elefanten zu haben, zum guten Ton gehört,
Auf dem Schrank, wie ein Mittel gegen den bösen Blick.
Soll der weiße Elefant lieber spazieren mit der weißen Herde,
Möge er lieber kein Glück bringen.



Ich hoffe, das war für einige interessant zu lesen und es ist ok, auch links und rechts unserer Begeisterung für ABBA auch solche Dinge zu thematisieren...........Dinge, die über Menschen und unsere Welt manchmal viel mehr aussagen als die ganzen schönen Sonntagsreden aus Politik und Medien.......

Es wäre schön, darüber auch vielleicht den ein oder anderen Kommentar dazu zu lesen.........sei es über die ganze Thematik selbst, ...sei es über Wladimir Vyssotskij oder Oksana Akinshina, ...sei es über dieses Lied und seinen Text ...oder sei es ganz einfach über eigene Erfahrungen, die man im Lauf der Jahre mit diesen Dingen vielleicht einmal gemacht hat......
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Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Scotty« (16. Juli 2019, 03:22)


2

Montag, 15. Juli 2019, 20:50

Sehr eindrucksvoll! Das muss man zusammen mit dem Text auf sich wirken lassen. :thumbup:

3

Dienstag, 16. Juli 2019, 17:27

Danke, Highway, für Dein kurzes, aber doch sehr prägnantes Feedback..... :thumbup:

Ja, das muss man auf sich wirken lassen.......


Um diesem musikalisch-intellektuellen Genie Vladimir Vissotskij hier in diesem Thread auch noch ein Gesicht zu geben.........hier ein Video, wo man die Stationen von seiner Geburt bis zu seinem Tod sehen kann.......

Dazu eines seiner extremsten dramatisch gesungenen Liedern..........das unter anderem auch Filmmusik zu einem sehr bekannten Film wurde.....

Die Text ist einer seiner vielen genialen lyrischen Werke....Er beschreibt das vorbeiziehende Leben, das man nicht aufhalten kann und die Angst, die damit einhergeht, wenn es zu Ende geht..........Die beschriebenen Pferde sind die Metapher für die vorbeiziehenden Jahre........für die Zeit, die man nicht aufhalten kann......und beschreibt die Angst, wenn man weiss, dass ein Leben zu Ende geht.......Das Bitten an die Pferde, langsamer zu galoppieren bedeutet die Sehnsucht danach, dass die ablaufende Zeit des Lebens nicht so schnell vorbeigeht.....

Interessant sind übrigens die vielen Stimmen unter diesem Video, die ausnahmslos westlich und englischsprachig sind und nahezu alle dieses Lied als großes Werk preisen........

https://www.youtube.com/watch?v=yt9Aio4FkA4

Der Text dazu......

Auf einer zerklüfteten Klippe, dem äußersten Rand, über der endlosen Kluft.
treibe ich meine Pferde immer wieder an, während meine Peitsche in einem Krampf zusammengedrückt wird.
Aber die Luft wird immer dünner, ich keuche, ertrinke, weine.....
Ich kann spüren, dass ich verschwinde, dass ich sterbe.

Macht langsam, oh meine Pferde! Ich sage Euch, galoppiert langsamer
Hör nicht auf meine Rufe und meine Peitsche!
Aber die Pferde, die mir gegeben wurden, waren hartnäckig und so unnachgiebig,
Ich kann das Leben, das ich lebe, nicht vollenden, ich kann den Vers nicht abschließen, den ich singe.

Ich werde für einen Moment anhalten, ich werde die Pferde trinken lassen.
Für eine kurze Sekunde länger werde ich am Rande stehen......

Ich werde sterben, wie eine Feder, die der Hurrikan verschluckt hat,
In einem Wagen ziehen sie mich im blendenden Galopp durch den Schnee.
Alles, was ich von euch verlange, meine Pferde, macht langsamer, verlangsamt euer Tempo, wenigstens für einen Moment.
Um die letzten Sekunden der Annäherung an meinen letzten Trost zu verlängern.

Wir haben es geschafft. Pünktlich hat uns Gott nur wenige Möglichkeiten gelassen.
Aber warum singen Engel mit solch teuflischen, schimpfenden Stimmen,
Oder ist es die Pferdeglocke, die in einem von Tränen durchtränkten Rausch läutet,
Oder bin ich es, der schreit, dass meine Pferde den Gang wechseln sollen?

Macht langsam, oh meine Pferde! Ich sage Euch, galoppiert langsamer
Hör nicht auf meine Rufe und meine Peitsche!
Aber die Pferde, die mir gegeben wurden, waren hartnäckig und so unnachgiebig,

Ich kann das Leben, das ich lebe, nicht vollenden, lass mich wenigstens zu Ende singen.


Noch kleine Geschichte am Rande dazu :

Der ehemalige Schach-Weltmeister GARRY KASPAROV hat einmal erzählt, dass er sich dieses Lied immer vor großen und wichtigen Schachspielen angehört hat, um in eine Stimmung zu kommen, in der er das Match gewinne kann.....Vor allem in seinen legendären Duellen um die Schach-WM mit ANATOLI KARPOV hätte es ihm entscheidend dabei geholfen, zu siegen......
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Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Scotty« (16. Juli 2019, 17:39)


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