Sie sind nicht angemeldet.

1

Montag, 22. April 2019, 02:00

Welche Veröffentlichungen klingen am Besten? Teil 1 - Erste CD-Releases der 80er und Remasterings bis Ende der 2000er

Hi, dieses Thema gab es hier möglicherweise schonmal, ich habe aber trotzdem den Drang einen aktuellen Post hierüber zu verfassen. Es passt nicht in einen, darum wird dies ein zweiteiliger Beitrag.

Ich würde gern mal wissen, ob ich eigentlich einfach ein niemals zufriedener Miesmacher bin, oder ob ihr auch findet, dass so gut wie alle digital bearbeiteten ABBA Alben und Compilations ihre eigenen Schwachstellen haben. Irgendwie finde ich, dass kaum eine digitale Veröffentlichung so klingt, wie ich die Songs damals als Kind über die Platten und Kassetten kennengelernt und in Erinnerung habe, mit all der Dynamik und all den Besonderheiten in den Songs. Ich habe leider inzwischen keinen Plattenspieler mehr und auch all meine Anlagen mit Kassettenlaufwerken haben inzwischen das zeitliche gesegnet .

Ich war schon damals enttäuscht, als ich ABBA das erste Mal auf CD hörte. Ich kannte vorher nur die Platten und Kassetten und, entgegen all den Emporhebungen des CD Klangs damals, gefielen mir die Platten und Kassetten klanglich besser. Meine allererste CD überhaupt bekam ich erst 1993, logischerweise eine ABBA CD. Das war das "Ring Ring" Album, die Ausgabe aus der "Special Price" Reihe. Ich kannte das Album damals nicht vollständig, aber Lieder davon, die auf Samplern waren, wie der Musikladen-LP. Schon da war ich vom CD-Klang enttäuscht - nicht so, dass ich zu Tode betrübt war, aber nach all dem, was man über CD's und ihren kristallklaren Klang zu hören bekam, hatte ich einfach mehr erwartet. Irgendwie war auf den Platten und Kassetten die Aussteuerung immer so, dass für mich alles stimmig war. Das erste, was mir beim CD Klang auffiel war der veränderte Umgang bei der Abmischung mit dem Bassdruck. In Sachen Klangtiefe hatten Platten einfach mehr zu bieten, fand ich. Auch auf den Kassettenbändern, die ich mir von Platten oder anderen Originalkassetten überspielt hatte (die meine Schwester damals von Bekannten bekam) empfand ich keine allzu schweren Verluste, es sei denn eine Kassette wurde zu oft überspielt oder eben zu viele Male gehört. Klar, das waren die Nachteile von Kassetten und LP’s.

Ich schaffte mir nach und nach immer mehr ABBA CD's an und war mal mehr, mal weniger zufrieden, aber keine CD klang so, wie ich es von den Platten und Kassetten her kannte. Allerdings gewöhnte ich mich dran. Doch heute, wenn ich Vergleiche anstelle, bemerke ich einfach, dass kaum eine digitale Abmischung der ABBA Songs so klingt, wie ich sie als Kind wahrgenommen habe, wie gesagt.

Da wären die Unremasterten CD's, die ersten also, die ich mir inzwischen über ebay und Amazon zusammengesucht habe. Ich finde es gibt wirklich schlechtere, aber auch die haben ihre Schwachstellen, wie gesagt in Sachen Bassdruck, vor Allem. Immerhin waren sie noch nicht vom "Loudness War" betroffen und nicht so massiv "gelevelt", wie spätere Ausgaben. Bis 1997, glaube ich, sind zumindestens die Polar und Polydor Ausgaben eigentlich gleich klingend, also auch die Auflagen nach den CD-Erstveröffentlichungen.

Die "ABBA Gold" von 1992 hatte ich nur auf Kassette, die "More ABBA Gold" von 1993 holte ich mir dann aber auf CD, allerdings erst 1994 irgendwann, glaube ich. Da fand ich das Klangbild sehr uneinheitlich, bei vielen Songs viel zu grell, also zu Höhenlastig und manchmal richtig "schneidend". Einfach unangenehm. Andere Songs klangen einigermaßen ok. Vor Allem kannte ich aber "I Am The City" und "Cassandra" noch nicht, das waren natürlich die Highlights für mich. "Cassandra" kannte ich nicht, weil es eine Single B-Seite war und ich mich, was die Platten anging, eigentlich immer nur mit den Alben beschäftigt hatte und "I Am The City" wurde darauf ja zum ersten Mal veröffentlicht.

Dann gab es 1994 die 4-CD Box "Thank You For The Music". Damals war ich 12 und konnte sie mir einfach nicht leisten. Meine Eltern zeigten für CD’s in der Preiskategorie leider auch kein Verständnis mehr für meine Begeisterung (und die meiner Geschwister), auch wenn die natürlich eigentlich ein absolutes "Must Have" war für Fans, mit den unveröffentlichten Songs und der "Undeleted"-Section. Meine Eltern waren Popmusik gegenüber grundsätzlich abgeneigt. Sie hatten damals furchtbare Ansichten manchen Dingen gegenüber und waren absolut spießig und gestrig, zum Teil auch noch fanatisch religiös, Popmusik war also "vom Teufel", wir hatten schon Glück, dass sie uns immerhin ABBA nicht komplett verboten hatten zu hören, aber das ist ein anderes Thema… Ich war sehr unglücklich, dass ich diese CD-Box nicht haben konnte. Sie war ja auch noch limitiert, und erschien nicht um meinen Geburtstag oder Weihnachten herum, so dass ich sie mir hätte wünschen können oder von entsprechenden Geldgeschenken hätte kaufen können. Inzwischen habe ich aber auch diese Collection natürlich gehört. Aus heutiger Sicht, finde ich, wurde auch hier zu wenig auf den Bassdruck geachtet und die Songs sind wieder stark Höhenlastig. Aber zu der Zeit hat man das wohl so gemacht…

1997 kam dann die "The ABBA Remasters" Serie . Die klang wesentlich lauter und irgendwie "poliert". Naja, wem's gefällt, aber was mich hier am meisten stört ist die Anhebung der Mitten, die nun noch mehr zu Lasten des Bassdrucks geht, als bei den vorigen, unremasterten Album Releases auf CD. Die Mitten spielen in vielen ABBA Songs zwar eine durchaus wichtige Rolle, aber man hätte drauf achten müssen, dass sie im Verhältnis zum Bass nicht übermächtig werden. Genau das ist hier leider passiert. Bei "The Winner Takes It All" ist beim allerersten Klavierton ein "Leiern" zu hören. Möglicherweise entsteht dies durch einen Chorus Effekt oder Phasenverschiebung. Genauer kann ich es nicht sagen, aber es fällt mir unangenehm auf. Immerhin wurden ab da Bonus Tracks mit auf die Alben gepackt.

Die 2001er Remasterings sind meiner Auffassung nach klanglich identisch mit den 1997ern. Die Unterschiede bestehen wohl vor Allem bei der Auswahl der Bonus Tracks... aber ich rede ja vom Klang.

Weiter ging es 2005, da erschien "The Complete Studio Recordings". Die sind lautstärkemäßig auf jeden Fall auch ganz schön aufgemotzt, ich finde aber sie klingen dennoch sauber und homogen, nicht verzerrt und nicht zu stark poliert. Das Höhen-/Tiefen-Verhältnis ist gut, die Songs klingen wie von einer guten Tonbandquelle, oder so. Leider gibt es aber auch hier einen Haken bei der Abmischung: Ich glaube es wurde am Stereo-Image manipuliert, die Kanäle wurden möglicherweise etwas zusammengezogen, aber das sei nur nebenbei erwähnt. Vor Allem ist hier das Mittenspektrum leider wiederum zu schwach, im Vergleich zu den 1997er und 2001er Abmischungen, wo sie ja zu stark sind. Durch die geschmälerten Mitten gehen nun wichtige Hervorhebungen und Besonderheiten in den Songs verloren. Sonst würde ich diese Collection sicher als die Beste betrachten, auch mit der umfangreichen Palette an Bonustracks. Möglicherweise ist es bis heute sogar die zumindestens beste vollständige Sammlung, aber ich kann leider über diesen Makel nicht hinwegsehen/-hören. In vielen Songs klingen wichtige dynamische Stellen einfach "ausgedünnt".

2008 wurden dann die Sampler "ABBA Gold" und "More ABBA Gold" neu herausgebracht. Die klingen ganz ok, allerdings sind die S-Laute oft etwas unsauber. Leider sind die beiden Sampler aber ja keine auch nur annähernd vollständige Sammlung.

2009 erschien dann "The Albums". Eine weitere komplette Album-Sammlung mit Bonus CD. Die klingen einfach insgesamt irgendwie unsauber und verzerrt. Keine Ahnung was da passiert ist.


Fortsetzung:
Welche Veröffentlichungen klingen am Besten? Teil 2 - Deluxe Editions und spätere Releases

Dieser Beitrag wurde bereits 32 mal editiert, zuletzt von »--7Burns--« (10. Mai 2019, 02:34)


2

Montag, 22. April 2019, 09:09

Einfach die genießen....wie sie erschienen sind, damals !
Deshalb liebe ich Vinyl....die alten....das ist der Klang, den ich schätze.

Diese 1000 mal remasterten kalt klingenden Stücke.....schrecklich !
....irgendwann werden wir tot sein.....
Ja, aber an allen anderen Tagen leben wir.